27.04.2016 20:09

Urania - Forschung ja - Tierversuche nein!

Dr. Robert Landsiedel

Prof. Dr. Ronald Lauster

Dr. Mardas Daneshian

Podiumsdiskussion mit Moderator André Thonn

Prof. Dr. Horst Spielmann

 

Verliert Deutschland den Anschluss?

Zum fünften Mal waren wir anlässlich des „Internationalen Tags zur Abschaffung der Tierversuche“  in der Urania, um der breiten Öffentlichkeit die Gesetzeslage, die ethischen Aspekte und auch Wege aufzuzeigen, wie Tierversuche ersetzt werden können. Mit rund 200 Teilnehmern war der Saal wieder sehr gut besetzt. Das zeigt uns, dass großes öffentliches Interesse an der Abschaffung von Tierversuchen besteht.

 

Die Sprecherin des Bündnisses Brigitte Jenner eröffnet die Veranstaltung und bedankte sich bei den Podiumsgästen. Sie haben zum Teil lange Anfahrzeiten (aus Ludwigshafen und Konstanz)  in Kauf genommen, um hier die Ergebnisse und Hintergründe ihrer Forschungen vorstellen wollen.

 

Dr. Landsiedel ist Leiter der Gruppe Toxikologische Kurzzeit-Prüfungen bei der BASF SE in Ludwigshafen; diese führt pro Jahr mehr als 500 toxikologische Studien durch und forscht an der Entwicklung neuer Alternativmethoden.  Dafür  erhielt  er  2013  den  Tierschutz-Forschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Dr. Landsiedel ist Vertreter der chemischen Industrie (Cefic) bei ECVAM, dem europäischen Zentrum zur Validierung von Alternativmethoden und auch stellvertretender Vorsitzender der ZEBET Kommission beim Bundesinstitut für Risikobewertung.

Die Firma BASF gehört zu den Firmen, die weltweit führend in der Entwicklung von Ersatzmethoden zu Tierversuchen ist. Dr. Landsiedel stellte die Erfolge seiner Forschung vor und betonte, dass leider, trotz guter Vergleichsergebnisse zu Humandaten oder sogar besserer Aussagen eine Anwendung dieser Methoden nicht immer gewährleistet ist. In diesem Zusammenhang erwähnte er die Prüfung der Hautsensibilisierung (Allergie) an Meerschweinchen oder Maus, für die es alternative Zellkulturmethoden gibt, mit denen zwar bereits international gearbeitet wird, die aber noch nicht vollständig von der OECD Weltwirtschaftsorganisation) anerkannt worden ist.

 

 

Prof. Dr. Roland Lauster ist der Leiter des Fachgebiets Medizinische Biotechnologie der Technischen Universität Berlin, welches sich 2003 gegründet hatte. Zudem ist er Vorsitzender im Prüfungsausschuss Biotechnologie. Aus seiner Arbeitsgruppe hat sich die Firma TissUse unter der Leitung von Dr. Uwe Marx (2014 unser Podiumsgast in der Urania) gegründet.

Prof. Lauster arbeitet mit menschlichen Zellen aus „Krankenhaus-Abfällen“  von Operationen. Er erklärte das System des Human on a Chip. Verschiedene Organoide werden jeweils in ein Zellkulturgefäß gefüllt und durch einen Kreislauf miteinander verbunden – ähnlich wie der Blutkreislauf des Menschen. Die Bewegung entsteht durch Membranen, die durch Druckluft gesteuert werden. Zurzeit ist es möglich, vier Organe im Chip miteinander zu verbinden.

Langfristig werden mit diesem Chip alle menschlichen Daten zur Aufnahme und Verteilung von Substanzen im Körper, ihrem biochemischen Um-  und Abbau, ihrer Ausscheidung und mögliche schädliche Auswirkungen erfasst. Somit dient er u.a. der Voraussage von Medikamenten auf Wirksamkeit und Verträglichkeit und der Testung anderer Stoffe auf Schädigung im menschlichen Körper. Diese Tests sind z.Z. noch an Tieren vorgeschrieben - festgelegt in den Arzneimittelprüfrichtlinien und durch das Chemikaliengesetz.

 

 

Dr. rer. nat. Mardas Daneshian ist akademischer Angestellter an der Universität Konstanz, Fachbereich Biologie, Koordinator und Geschaftsleiter des „Center für Alternatives to Animal Testing-Europe“ Berater des EU Parlaments im Rahmen des STOA-Programms für „Life Sciencs and Human Well-Being“.

Dr. Daneshian zeigte in seiner Präsentation, wie unterschiedlich die Förderungen von Ersatzmethoden zu Tierversuchen weltweit sind – und es wurde deutlich, dass Deutschland mit 6.45 Millionen im Jahr 2015 gegenüber anderen Ländern wesentlich schlechter dasteht. Im Vergleich gibt England 11 Mill  und Brasilien 14.8 Mill  für die Erforschung von Alternativen aus –  das ist um ein Vielfaches mehr gemessen an  dem Bruttoinlandsprodukt dieser Länder.

2015 hat Deutschland Tierversuche mit 1.920 Milliarden gefördert - das ist  zu 6.5 Millionen für Alternativen eine gewaltige Schieflage.

Förderungen weiterer Länder und Firmen:

Die USA gibt allein für den Human on a Chip 130 Millionen und für Toxcard 174 Millionen US Dollar aus – wobei zum Vergleich Deutschland Alternativen von 1980 – 2014 mit nur insgesamt 160 Millionen EURO gefördert hatte.

Dr. Daneshian hält die Forschung an Alternativen für sehr wichtig, um neue wissenschaftliche Wege zu gehen, die dem Land Ansehen bescheren und auch durch Patentanmeldungen und Lizenzen wirtschaftlich sehr stärken würde. Er rät die Alternativen mit zwei bis dreistelligen Millionen EUR0 zu fördern. Seiner Meinung nach ist diese Innovation  ein neues Feld, was Geld ins Land bringt.

 

 

Alle drei Vorträge fanden großen Beifall. Als Kenner der Alternativ-Forschung beteiligte sich Prof. Spielmann rege an der Diskussion und das Wort erhob auch Frau Claudia Hämmerling, tierschutzpolitische Sprecherin der Grünen im Abgeordnetenhaus von Berlin. Sie setzt sich schon seit langer Zeit für eine verstärkte Förderung der Alternativen ein.

Die Zeit verging so schnell, das leider nicht  nicht alle Fragen beantwortet werden konnten.

 

Wegen des großen Interesses werden wir im nächsten Jahr im April wieder in der Urania zum Thema „Forschung ja – Tierversuche nein“ mit anderen interessanten Podiumsgästen neue Wege aufzeigen, wie Tierversuche abgeschafft werden können.

 

 

Brigitte Jenner

Fotos: Bundesverband Tierschutz/Lotz

 

 

 

 

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